Dietmar Gollnick
04.05.2017

LTE, BOS-Digitalfunk und Paging zur kritischen Kommunikation

Fokusthemen des Europa-Meeting der Critical Messaging Association (CMA) in der Schweiz waren LTE-Kommunikation, BOS-Digitalfunk, Paging und neue Trends wie das Internet of Things - alles im Kontext mit kritischer Kommunikation. Erfahren Sie in diesem Blog-Beitrag, weshalb die Paging-Technologie zu den sichersten Kommunikationswegen in kritischen Situationen zählt.

Inhalte der Tagung für kritische Kommunikation

Gute Tradition ist es, sich im Frühjahr in überschaubarem Arbeits-Kreis mit dem European Chapter der CMA zu treffen. Nach Warschau, Berlin, Mailand und Prag dieses Mal beim gemeinsamen Gesellschafter von Swissphone und e*Message am schönen Zürichsee in der Schweiz.

Die Jogging-Sachen auszupacken habe ich nicht vermocht. Zwei Gründe: Schnee Ende April in Zürich (ein recht wundersamer Vorgang) und das sehr enge Programm.

Alle Kollegen wollten (und mussten) zu Worte kommen. Einige mit Präsentationen, alle mit Einwürfen, Diskussionsbeiträgen und engagierten konstruktiven Hinweisen während der beiden Tage.

Begonnen wurde die Tagung mit der Vorstandssitzung und der Mitgliederversammlung, die auch für die nächsten drei Jahre den Vorstand der mit kritischem Messaging in Europa befassten Fachkollegen wählte. Es sind dies: Derek Banner als Vorsitzender (Chairman) des Board of Directors sowie Linda Cox, Chris Jones, Johan Agren, Dietmar Gollnick, Jim Nelson, Kirk Alland als weitere Mitglieder.

Vergangene Fälle zeigten: LTE-Kommunikation und BOS-Digitalfunk bilden keine ausreichend sichere Alternative zu Pagern

Gastgeber des diesjährigen Europa-Meeting der CMA war die Swissphone in der Schweiz. Nach mehrmaligem Führungswechsel haben sie jetzt wieder einen super-gestandenen Mann des Pagings dort, Angelo Saccoccia, der als Gastgeber einige Dinge besonders hervorhob. Dazu zählten unter anderem die Erfahrungen von Kunden, die zeitweilig nur auf schicke Handy-Anwendungen setzten und im Fall der Fälle aufgeworfen waren. Besonders eindringlich war dabei die Erinnerungen an zwei Terroranschläge: den lange zurückliegenden in London, bei dem der National Health Services erst die Anzahl der Pager verringert hatte, aber sofort nach den schrecklichen Ereignissen vervielfachte und die Ereignisse in Brüssel im Jahr 2016, wo einzig Paging, nicht aber BOS-Digitalfunk oder gar LTE-Kommunikation per Handy reibungslos funktionierte.

Die Kollegen der Sicherheitskräfte in Belgien und den Niederlanden haben gerade ihre Paging-Netze hardwareseitig erneuert. Leider nicht mit Swissphone-Technik, wie A. Saccoccia etwas bedauerte.

 

Sichere Kommunikation funktioniert nur durch separate mobile Netze

Vorträge kamen von Multitone und PageOne aus Großbritannien. Rupert Johnson von Multitone, dem wichtigen Hersteller u.a. für Pager im Gesundheitswesen berichtete über einen Teil der umfangreichen Arbeiten zur EU-konformen Standardisierung von Endgeräten. Die Arbeiten bei ETSI und CEPT aus der jüngsten Zeit zeugen davon, dass Narrowband Point-to-Multipoint (Abk. NP2M) mit dem Untermerkmal Paging jedenfalls um einige Jahrzehnte jünger sind als die Erststandardisierung der zellularen Systeme. Chris Jones von PageOne, dem landesweiten Messaging-Operator und seit kurzer Zeit Tochterunternehmen des börsennotierten Outsourcing-Spezialisten Capita plc. gab bekannt, dass der Paging-Teil des Geschäftes unter der Leitung von Chris gemeinsam mit dem des britischen Mobilfunkbetreiber Vodafone weiter laufen wird. Die Vorträge aus dem Vereinigten Königreich waren so wie die nachfolgenden aus Israel von drei Schwerpunkten gekennzeichnet:

  1. Die Anforderungen an kritische Kommunikation sind nach den Ereignissen von 2015 bis 2017 noch höher geworden.
  2. Alle Kommunikationsmittel sollten genutzt werden und dann auch so sicher wie irgend möglich.
  3. Ohne Paging geht nichts, wenn man diversifiziert, angriffsgesichert und ausfallsicher kritisch kommunizieren will und muss. Es geht um separate mobile Netze. Mehrere SIM-Karten reichen nicht.

Zu den Vorträgen aus dem Nahen Osten berichten wir in geeigneter Form später und außerhalb dieses Beitrages.

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LTE und Weiterentwicklung von standardnahmen Lösungen als Fokusthemen

Einen großen Teil des Nachmittags bekam das Thema LTE und damit zusammenhängende Kooperationsmöglichkeiten und die Weiterentwicklung von standardnahen Lösungen für sicherheitskritische Anwendungen. So ausführlich wie zum gegenwärtigen Zeitpunkt das möglich war. Allein dieser Vortrag war es sicher wert, ins ungemütliche Zürich zu kommen. Allerdings lässt die relativ begrenzte Teilnehmerzahl Unterbrechen und sofortiges Nachfragen zu – wo hat man das sonst schon. Übrigens ein Grund, warum der eine oder andere sich gegen eine mögliche Vergrößerung des Formates aussprach.

  • C. Jones, PageOne

  • D. Villacastin, TPL Systems

Teilnehmer von Übersee waren auch anwesend. Hinter mir saß Roy Pottle. Er ist CEO des wohl weltweit zweitgrößten Paging-Betreibers in den USA. Mit Sitz unweit von Dallas, TX. Wie immer etwas verschieden akzentuierte Themen auf beiden Seiten des Ozeans, wobei man von der Kompetenz der US-Kollegen im Gesundheitsbereich immer lernen kann. Wie berichtet, vergrößert American Messaging gerade sein Einzugsgebiet und nähert sich weiter der Flächendeckung an, die wir in Deutschland zum Beispiel haben. Dazu wurde auch zugekauft, siehe Blog-Beitrag "Veränderungen in den Vereinigten Staaten".
 

Neue Kommunikationslösungen wie das Internet of Things in der kritischen Kommunikation

Wichtiger Teil des zweiten Tages war die mögliche Kooperation mit und auch die Einschätzung der Chancen von (neuen?) Kommunikationslösungen für die prognostizierten vielen Milliarden Dinge des Internet of Things. Die französischen Initiativen Sigfox und Lora scheinen in der Wirklichkeit angekommen zu sein. Der Hype ist etwas abgeklungen und die konkretisierten Teilgeschäftsfelder werden noch genauer in Betracht genommen. Beim Downlink (also vom Sendestandort zu den „Dingen“), bei der Verfügbarkeit von verbindlich und exklusiv zugewiesenen Frequenzbereichen und bei den Geschäftsplänen für den Netzbetrieb gibt es vielleicht mehr als nur einige Probleme des Wachstums. Um so interessanter dort, wo es sich anbietet über Kooperationen mit NP2M nachzudenken. Einige interessante Ideen, die teilweise aus diesem Stadium bereits hinaus sind, sprach David Villacastin aus dem sowohl mit Historie als auch mit Innovation glänzenden Südwesten Frankreichs an. Er ist Managing Director von TPL Systems.

Wie immer waren die Rund-Tisch-Themen zu Marketing- und Technik-Schwerpunkten heiß diskutierte Teile des Europa-Meetings der CMA. Nicht alle Details sollen verraten werden, aber beim Internet-Auftritt ist Besserung gelobt worden. Obwohl ... Geheimtipps verkaufen sich manchmal sogar besser.

Dietmar Gollnick