Dietmar Gollnick
25.04.2016

Resümee 11. Nationaler Paging-Kongress: Wenn des Kaisers Kleider fallen, werden die Bekleidungsstücke greifbarer.

Der Saal war gefüllt. In der Vorbereitung gab es die Befürchtung, es sei fast schon alles gesagt. Weit gefehlt: Teilnehmerzahl, Diskussionsfreude und Vielfalt sprechen dafür: Es war einer der besten Kongresse bisher. Sagen auch viele Teilnehmer.Warum?

Hier ein paar erste Eindrücke und Aussagen, die auch nach ein paar Tagen nicht verblasst sind:

Mehr Realitätssinn und Ehrlichkeit. Weniger „politisch begründete“ Rücksichtnahme. Die Diskussion ist in der Realität angekommen. Wie oft haben wir in der Vergangenheit über den Vergleich zukünftiger (vor allem Tetra-)Netze mit den Funktionen, die Paging liefert, diskutiert. Jetzt gibt es die (u.a. Tetra-Digitalfunk-)Netze und man vergleicht nicht mehr rosarote Wolken mit realen Lösungen. Existierende Lösungen werden mit existierenden Lösungen verglichen. Das hilft in der Glaubwürdigkeit ungemein und es hilft auch in der Projektion in die Zukunft. Geradezu ernüchternd fand ich die Beiträge zum Thema des so genannten „Tetra-Pagings“ (ist Messaging). Dazu später mehr.

Größere Differenzierung. Vielfalt in der Telekommunikation wird erkannt, anerkannt und genutzt. Wie hieß es am zweiten Tag (Diskussionstag) von einem der österreichischen Kongressteilnehmer: Wenn einer einen guten Wein auswählen will oder ein Wasserkraftwerk bauen will, dann kauft er sich ja auch nicht ein Buch über den Nutzen von Flüssigkeiten. Und auch die Telekommunikation, auch die Mobilkommunikation, sei und ist so vielfältig, dass man – um im Bild zu bleiben – nicht nur ein oder zwei verschiedene Bücher braucht um der Bewertung gerecht zu werden. Ein Ende der Oberflächlichkeit deutet sich an. Wer keine Ahnung hat, soll nicht drüber reden – habe ich auch gehört.

Prof. Dr. Wolf Dombrowsky (r.), Steinbeis-Hochschule
Prof. Dr. Wolf Dombrowsky (r.), Steinbeis-Hochschule
Jens Christiansen (l.), Hessisches Ministerium des Innern und für Sport und Wilfried Gräfling (r.), Berliner Feuerwehr
Jens Christiansen (l.), Hessisches Ministerium des Innern und für
Sport und Wilfried Gräfling (r.), Berliner Feuerwehr

 

 

Am billigsten ist die Bequemlichkeit. Sicherheit ist immer unbequem.
Das ist ja eigentlich klar. Es ist klar, dass wir nicht ohne Passwörter arbeiten. Aber es trifft eben auch auf das Paging zu. Es ist zwar „easy to use“ und es trägt erheblich zur Sicherheit bei, aber einfacher wäre es sicher, alles über viele Apps auf dem Smartphone der 14jährigen Tochter abzuwickeln. Noch einfacher ist es ganz ohne Feuerwehr, aber es brennt eben manchmal. Also, einer der Autoren dieser Überlegung: Der Landesbranddirektor Wilfried Gräfling, der am ersten Tag moderierte.

 

Zwei Wege sind besser – vor allem sicherer – als nur einer.
Egal ob man zwei Glühlampen mit Strom versorgt oder eine Information oder gar Warnung an den Adressaten bringen möchte. Diese Erkenntnis wurde durch eine Umfrage unter den Teilnehmern unterstützt. Hier geht es zur Umfrage: Umfrage Paging-Kongress 2016 Die richtigen Antworten lauten: Doppelte Anzahl von Gewinnen verdoppeln die Gewinnchancen. Ein zusätzliches unabhängiges Kommunikationsmedium wie Paging verzweihundertfacht die Sicherheit. Auch die Anschläge in Paris und Brüssel haben gezeigt, dass es unverantwortlich wäre, sich nur auf ein Kommunikationsmedium zu verlassen.

Die gebotene Themenvielfalt – alles auf Paging-Basis – ist noch größer geworden.
Es gab erstmals einen zweiten Konferenz-Track (Symposium 2) – zum Thema Sicheres Schalten in der Energieverteilung. Der Strompager hat viele beeindruckt. Es gab einen mit Skepsis geplanten und um so besser angekommenen Vortrag aus einer mehr als profilierten Rechtsanwaltskanzlei zum Thema Haftung. Es gab erstmals einen anerkannten Hacker mit einem mit Spannung verfolgten Vortrag. Und alles hatte – so sagten die Teilnehmer – etwas und oft viel mehr als gedacht miteinander zu tun.

Marko Herold, IK Elektronik GmbH
Marko Herold, IK Elektronik GmbH
Thomas Röstel, Stromnetz Berlin GmbH
Thomas Röstel, Stromnetz Berlin GmbH

 

Im Symposium 2 (Smart Control, Metering und Grid) konnten wir einen neuen Moderator begrüßen. 

Herr Metten des Strompager-Partners Stromnetz Berlin (Vattenfall-Gruppe) brachte die verschiedenen Beiträge zueinander in mehr als nur Verbindung. Man merkte: Es hat ihm und den Teilnehmern Spaß gemacht auch darüber zu streiten, was denn eigentlich Metering (deutsch: Messen, also mit dem Zähler) mit (netzdienlichem) Schalten zu tun habe.

 

Auch erstmals: Per Twitter am Puls des Kongresses.
Nicht nur über #pagingkongress kann man direkte Eindrücke nachlesen. Hier der Link dahin: https://twitter.com

Und hier sind die ersten Vorträge einzusehen: Vorträge 11. Nationale Paging-Kongress 2016

Dietmar Gollnick