Ulrike Kieper
07.07.2016

Lehren aus Brüssel oder mobile Kommunikation in Krisenfällen

Während der Anschläge in Brüssel am 22. März diesen Jahres wurde deutlich, dass wesentliche Kommunikationskanäle im Krisenfall versagt haben.

Um die Hintergründe dessen näher zu beleuchten, haben wir einige Artikel zu ASTRID, TETRA und Paging aus den belgischen und niederländischen Medien in einer Linksammlung mit Kurzinhalten in deutscher Sprache zusammengestellt.

Das Thema Paging wurde von uns natürlich auch ausführlich auf dem diesjährigen Paging-Kongress am 18. und 19. April diskutiert. Infos zu Ergebnissen und Präsentationen der Veranstaltung bietet auch dieser Blog.

 

Helfer haben das ASTRID-Netzwerk während der Anschläge falsch gebraucht

Nach den Anschlägen in Zaventem und Brüssel kämpften Polizei, Feuerwehr und die medizinischen Rettungsteams mit der Kommunikation untereinander. In den Spitzenzeiten erreichten nicht einmal die Hälfte aller Anrufe die Rettungsdienste.

Kurz nach den Anschlägen zeigte sich, dass die Kommunikation ein wunder Punkt war. Fast alle Mitarbeiter der Hilfsorganisationen hatten mehr oder weniger Probleme mit dem Astrid-Netz, auf das sie sich verlassen sollten.

Marc Buyser, Generaldirektor von ASTRID, teilte dem zu diesem Anlass einberufenen parlamentarischen Untersuchungsausschuss am Mittwoch mit, dass solch eine Belastung für die Kommunikation nicht gesehen wurde. Mit zwei großen Krisenarten zugleich mussten die Astrid-Masten in Brüssel und Flämisch-Brabant bis zu zehn Mal mehr Daten verarbeiten - im Vergleich zu einem normalen Tag.

Buyser erkannte, dass zusätzliche Kapazitäten benötigt werden. Seit den Anschlägen wurde die technische Kapazität erhöht. ASTRID wird auch einen Satelliten-LKW kaufen, aber dafür müssten die zusätzlich benötigten Frequenzen bezahlt werden. In der Vergangenheit kam hierzu jedoch immer eine negative Antwort, aber in der Zwischenzeit gibt das Verteidigungsministerium grünes Licht für eine Verlängerung mit 2 x 1,5 MHz. Eine strukturelle Lösung ist das jedoch nicht vor allem im Hinblick auf die neuen internationalen Standards auf der Basis von LTE-Technologie.

Nach Buyser gab es auch eine Menge Missbrauch und eine falsche Verwendung der Geräte. Die Helfer konnten teilweise die Geräte nicht bedienen, was dazu führte, dass mehr als 7.000 von ca. 8.000 Anrufen schief liefen. Hier muss die Ausbildung an den Geräten besser verlaufen, merkte Buyser an. Nur 900 Anrufe sind auf Kapazitätsengpässe zurückzuführen.

Inzwischen gibt es viele Alternativen. Die Mobilfunkbetreiber suchen in ihren Netzen nach Lösungen für Notfallsituationen.

Quelle: Artikel aus „Het Nieuwsblad“ vom 18.05.2016,
www.nieuwsblad.be


1 von 5 Notrufen gescheitert

Am 22. März sind rund 8000 Notrufe rausgegangen. Die Mitarbeiter der Hilfsorganisationen sehen den Fehler in der Kommunikation und stellen diese in Frage. Der parlamentarische Ausschuss, der die Anschläge vom 22. März untersucht, freute sich am Mittwoch über die Ankunft von Marc Buyser, Generaldirektor von Astrid. In Belgien ist die Kommunikation der Rettungsdienste, Polizei und Feuerwehr auf dem ASTRID-Netz aufgebaut. Mehrere Mitarbeiter von Hilfsorganisationen haben vor dem Ausschuss ausgesagt, dass das ASTRID-Netz Schwächen aufweist.

Herr Buyser äußerte sich über die Zahl der eingegangenen Notrufe über das ASTRID-Netz. Es waren insgesamt 34.000 an diesem Tag, von denen etwa 8.000 nicht ankamen. Jeder fünfte Notruf kam nicht durch, erkannte Herr Buyser.

Quelle: Artikel aus „De Tijd“ vom 18.05.2016,
www.tijd.be

 

Debatte über das Krisenmanagement

Auch das Krisenmanagement am Tag der Attentate gibt mit einigenTagen Abstand Anlass zu öffentlichen Diskussionen. Bald nach den Anschlägen amMorgen des 22. März bricht das Brüsseler Mobilfunknetz zusammen.

Der Bevölkerung wird geraten, auf noch mögliche SMS auszuweichen oder soziale Medien wie Facebook und Twitter zu nutzen – was auch die Behörden selbst tun.

Später wird bekannt, dass auch der Telekommunikationsdienst "Astrid" für Sicherheitsbehörden und Rettungsdienste ausgefallen ist.

Die beiden Zeitungen "Nieuwsblad" und "Gazet van Antwerpen" wollen erfahren haben, dass die Dienste zum Teil auf den internetbasierten Anbieter Whatsapp ausgewichen sind.

Die Debatte, die sich Ende der Woche um die Schließung der U-Bahn am Tag der Anschläge entspinnt, wirft ebenfalls kein gutes Licht auf die Krisenabläufe. Zwar beteuert Innenminister Jan Jambon, nach den Explosionen am Flughafen gegen 8 Uhr und noch vor dem Anschlag in der Metro kurz nach 9 Uhr sei die Entscheidung gefallen, das Netz zu evakuieren.

Quelle: Artikel aus der „Welt“ vom 28.03.2016,
www.welt.de/politik/ausland

Ulrike Kieper